Woher kommt Empathie

Mehr Kopf oder mehr Bauch?

Empathie gilt als der große Schraubenzieher im Werkzeugkoffer der Psychotherapie. Wollen wir uns in eine andere Person hineinversetzen, so vertrauen wir auf unser Bauchgefühl – die Intuition. Das dachten wir, offenbar ist es aber falsch. Denn wer Informationen sorgsam abwägt, kann sich besser in andere hineinversetzen.

Empathie gilt essenziell für die Psychotherapie, versuchen Sie dieses Ehepaar zu verstehen
Empathie wird in unserem Kulturkreis dem Bauchgefühl zugeschrieben. Neueste Studien zeigen aber: Wer sein Gegenüber analytisch versteht, kann sich besser hineinversetzen.

Fragt man Menschen, worauf sie setzen würden, wenn man sich in jemanden einfühlen wolle, auf das Denken oder auf Empfindungen, so wählen fast alle Empfindungen. Genau das taten auch die Probanden verschiedener Studien, die herausfinden wollten, wie Empathie entsteht. Jennifer Lerner ließ in einer Studie der Harvard University die Probanden Bewerbungsgespräche durchführen, wobei der Zufall entschied, wer Bewerber war und wer Chef. Anschließend mussten die Studienteilnehmer einen Fragebogen ausfüllen und beurteilen, wie sie sich selbst und wie sich ihr Gegenüber gefühlt hat. Dabei waren auch Fragen, die klären sollten wer sich dabei auf analytisches Denken und wer sich auf Emotionen verließ.

Knifflige Fragen bringen es an den Tag

Wie man so etwas herausfindet? Durch knifflige Fragen. Versuchen Sie einmal diese Frage zu beantworten: Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1.10 €. Der Schläger kostet 1 € mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball? Haben Sie es herausbekommen? Wer sich auf seine Intuition verlässt wird wahrscheinlich sagen: Der Ball kostet 10 Cent. Wer analytisch denkt, wird ein wenig knobeln bis er auf das Ergebnis kommt, nämlich 5 Cent.

Wer 10 Cent sagte, konnte auf dem Fragebogen der Studie die Emotionen seines Gegenübers schlechter einschätzen. Offenbar ist unsere Empathie davon beeinflusst, ob wir auch verstehen, womit sich der Andere beschäftigt.

Helmut Bundschuh

Über Scham und Verletzlichkeit

Ein evolutionär überholtes Gefühl blockiert uns

Die deutschstämmige Amerikanerin Brené Brown ist eigentlich Sozialwissenschaftlerin, ihre Studien über die psychischen Grundbedürfnisse des Menschen, Liebe, Zugehörigkeit, verlässliche Beziehungen und Einfühlungsvermögen machen ihre Aussagen auch für die Psychologie interessant. 13 Jahre lang sammelte sie Daten über Schamgefühl und Verletzlichkeit.

Brené Brown bezeichnet sich selbst als introvertiert und verletzlich, umso mehr war sie verwundert, dass bei ihren Umfragen viele Menschen Verletzlichkeit mit Schwäche verwechselten und ihre Sensibilität versteckten. Sie plädiert dafür, Verletzlichkeit offen zu leben, denn ohne sie gäbe es keine Intimität, keine Liebe und kein Vertrauen. Das sind jene Situationen im Leben, in denen man leicht ausnutzbar ist.

Scham betten wir nicht in Worte

Es gehört Mut dazu, seine Ängste und Träume offen zu zeigen, weil sie häufig gegen einen verwendet werden können. Scham hingegen ist ein Gefühl, das selten in Worte gefasst wird, weil es nicht aus der Kognition kommt, sondern aus der Emotion. Der beste Weg aus dem Sumpf der Scham herauszukommen ist, über Gefühle zu reden, sagt Brené Brown. Je geringer das Selbstwertgefühl, desto größer die Scham. Die meisten Psychologen sehen in der Scham keinen evolutionären Wert mehr.

Weil wir die Kontrolle über uns behalten wollen, spielen wir Rollen. Mal sind wir der Coole, mal unantastbar. Diese Rollen verhindern, zum eigentlichen Kern unseres Selbst zu kommen, wir schotten uns ab. Brown spricht vom „Verletzlichkeitskater“, dem „vulnerability hangover“, wenn wir fremden Menschen zu viel von uns preisgegeben haben immer mit der Angst, dass es gegen uns verwandt wird.

Wer sich mit seinen Niederlagen konfrontiert, entgeht dem Schamgefühl

Um nicht im Hamsterrad der Scham und Verletzlichkeit stecken zu bleiben, empfiehlt Brown, sich mit den Niederlagen, die Scham auslösen, zu konfrontieren. Sie überlegte, ob sie nicht ein ganzes Zimmer mit all den Absagen tapezieren sollte, bevor sie einen Verleger für ihr jetzt so erfolgreiches Buch „Verletzlichkeit macht stark“ fand. Wer aus Angst, es ohnehin nicht zu schaffen, nichts neues mehr ausprobiert, steht am ende seines Lebens womöglich vor der Frage: Bin ich zufrieden damit, Chancen verpasst zu haben, weil ich mich nicht getraut habe?

Kaspar Politzki

Erbkrankheit Herzinfarkt

Erste Belege für Erbfaktoren bei Herzerkrankungen

Ein Arbeitsteam um Professor Heribert Schunkert am Deutschen Herzzentrum in München fand erste Beweise für genetische Faktoren, die für Herz- und Kreislauferkrankungen verantwortlich sind.

2 seltene Genveränderungen können Herzinfarkt auslösen, wenn sie gemeinsam auftreten
Illustration: Universitätsklinik Lübeck            Der genetische Stammbaum einer genetisch doppelt belasteten Familie. Die weißen Symbole markieren gesunde Mitglieder, die schwarzen Symbole kranke Mitglieder der Familie

Es war schon mehr als eine Vermutung, dass Herzerkrankungen vererbt werden können. Zu auffällig war die familiäre Häufung von Herzinfarkt und Insuffizienz, als dass sie auf einen Zufall zurückzuführen war. Aber es fehlten die Beweise. Grundlegende Arbeiten zum Verständnis, wie Herzinfarkt vererbt werden kann, leistete die Arbeitsgruppe um Heribert Schubert am Deutschen Herzzentrum in München. Sie gehörte schon 2007 zu der weltweit ersten Gruppe, die genetische Faktoren identifiziert hat.

Forscher suchen Einfluss der Umweltfaktoren auf die Gene

Bei den akribischen Untersuchungen wurden gleichzeitig neue Mechanismen zur Entstehung eines Infarkts gefunden. Bei einigen Familien führen diese bei fast allen Mitgliedern zu einem Infarkt. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt auf der Analyse der Interaktionen zwischen Genen und Umwelt. Neue Studien sollen die Korrelation zwischen den Genen identifizieren. Ziel ist eine Risikovoraussage für Infarkt, Arteriosklerose und Koronare Herzerkrankung.

An der Universitätsklinik in Lübeck fand ein internationales Forscherteam um die Professorin Jeanette Erdmann zwei seltene Gene, die einen Herzinfarkt auslösen können, wenn sie gemeinsam auftreten. Die Genmutationen wirken sich auf den Stickstoffmonoydhaushalt in den Blutplättchen aus und können das Infarktrisiko dramatisch erhöhen.

Verklebte Blutplättchen, wenn zwei Gene aufeinander treffen

“Während die meisten Herzinfarkte sporadisch auftreten, sehen wir selten Familien mit sehr vielen Betroffenen, in denen scheinbar ein klassischer (Mendelscher) Erbgang vorliegt. Die zugrundeliegenden genetischen Varianten sind meist unbekannt”, sagt Prof Erdmann auf der Homepage der Universitätsklinik zu Lübeck.

Das gemeinsame Auftauchen der Mutationen der Gene CCT7 und GUCY1A3 ist bisher nur in dieser einen Familie nachgewiesen worden, in der inzwischen 23 Familienmitglieder an Herzinfarkt verstorben sind. Das Phänomen, dass Blutblättchen verkleben, kommt in der Bevölkerung aber häufig vor. Das Gen GUCY1A3 ist eine zentrale Schaltstelle im Signalweg zur Regulation des Herzmuskels, kommt es gleichzeitig zu Veränderungen am Gen CCT7, so ist der Signalweg komplett blockiert.

Wichtiger Termin für Herzpatienten!

Die Herzwochen 2016 der Deutschen Herzstiftung

Herz unter Stress heißt die diesjährige Veranstaltung der Deutschen Herzstiftung, die im Deutschen Herzzentrum in München stattfindet.

Die Vorträge decken die wichtigsten Themen wie Bluthochdruck, Cholesterinsenker, Diabetes mellitus und Psyche + Sport ab. Anschließend findet eine kleine Diskussionsrunde mit dem Psychokardiologen Prof. Dr. Karl Heinz Ladwig statt. Leiter der Veranstaltung ist Prof. Dr. Heribert Schunkert. Veranstalter ist die Deutsche Herzstiftung e.V., die Veranstaltung findet am 8. November 2016 von 17.00 bis 19.15 im Hörsaal des Deutschen Herzzentrums, Lazarettstraße 36 statt. Den genauen Ablauf, Vorträge und Redner können Sie hier erfahren, klicken Sie mit einem direkten Link auf die Veranstaltungsseite (PDF).

60 Jahre Cholesterin Krieg

Wie schädlich erhöhter Cholesterinspiegel ist, bleibt umstritten

 

Als in den 50er Jahren Wissenschaftler herausfanden, dass die gefährlichen Plaques, die die Gefäße verstopfen und zu Herzinfarkt führen, aus Cholesterin bestehen, wurde Cholesterin als Hauptverursacher der Herzkrankheiten gehalten.

Herzinfarkt muss nicht durch Cholesterin ausgelöst werden
Herzinfarkt wird zu hohen Cholesterinwerten zugeschrieben. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, dass es auf das richtige Verhältnis zwischen HDL und LDL ankommt

Herzspezialisten schlugen sogar vor, dass Fastfood-Ketten, die fettige Hamburger verkauften, auch gleich Cholesterinsenker verabreichen sollten. Ein Trend, der der Pharmaindustrie gefiel. Dabei ist Cholesterin ein essenzieller Baustein unseres Körpers, den wir selbst herstellen. Der biologische Baustoff „Sterol“ ist für die Bildung der Synapsen zuständig und damit unmittelbar an der Gehirnleistung beteiligt, es sorgt für den Aufbau der Zellmembran, von Gallsäure und synthetisiert im Körper Vitamin D.

Gesunder Stoffwechsel gleicht Cholesterinwerte aus

Der Körper stellt Cholesterin selbst her, sodass wir nicht auf Nachschub aus der Nahrung angewiesen sind. Bei Cholesterinreicher Ernährung sorgt der gesunde Körper für einen Ausgleich, es wird weniger produziert. Wie gesagt, bei einem gesunden Körper.

In den Vereinigten Staaten bezweifeln Herzspezialisten längst, dass man mit cholesterinarmer Ernährung einem Herzinfarkt vorbeugen kann[1]. Bisher ging man davon aus, dass Cholesterin als LDL vom Blutstrom in die Organe fließt und überflüssiges HDL zurück in die Leber, wo es wiederaufbereitet wird und wieder in den Blutkreislauf zurück fließt.

Hohes HDL heißt nicht gleich Herzinfarkt

Neueste Forschungsergebnisse, an denen auch der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums, Prof. Dr. Heribert Schunkert mit seinem Team beteiligt ist zeigen: Die körpereigene Disposition ist schuld am Risiko für Herzinfarkt. Manche Menschen haben eine ungünstige Konstellation zwischen dem „guten“ HDL und dem „schlechten“ LDL. Wer einen hohen HDL Wert hat, ist nicht automatisch vor Herzinfarkt oder Schlaganfall geschützt.

Das Deutsche Herzzentrum empfiehlt jenen Menschen, die schon einen Infarkt erlitten haben oder unter hohen Cholesterinwerten leiden, unter ärztlicher Kontrolle ihren Cholesterinspiegel im Auge behalten sollten. Den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die eine maximale Tagesdosis von 300 Milligramm empfiehlt, das entspricht einem Ei und einem Butterbrot pro Tag, will sie sich aber nicht anschließen.

Lipidsenker und seine Folgeerkrankungen

Im Laufe der Jahre wurden die Grenzwerte immer weiter gesenkt. Die Folge ist, dass alleine in Deutschland zurzeit 4,5 Millionen Menschen Statine zu sich nehmen. Ein Milliardengeschäft für die Industrie. Dabei sind die Nebenwirkung und möglichen Folgeerkrankungen der Statine nicht zu übersehen. Wer den Beipackzettel liest, wird von einer Flut von Nebenwirkungen heimgesucht. Als Problem kristallisieren sich Folgeerkrankungen wie Diabetis und Schlafstörungen, Depressionen, Impotenz, Gedächtnisstörungen und Kopfschmerzen.

Die Schlacht ums Cholesterin geht weiter. Die Kontrahenten sind die Pharmaindustrie und der mündige Bürger. Jeder muss für sich selbst entscheiden, denn wie gesagt: vor 450 Jahren war die Erde noch eine Scheibe, daran gab es keine Zweifel.

 

[1] Klaus Jacob in „Bild der Wissenschaft, Heft 10, 2016, S. 98

Die Kopf-Herz-Verbindung

Negative Gefühle machen das Herz krank

Nach 60 Jahren Forschung sagt Professor Johann Caspar Rüegg: „Emotionaler Stress ist häufig der eigentliche Auslöser eines Herzinfarkts“. Das Risiko einer Herzattacke wird durch psychischen Stress erhöht. Nicht nur das autonome Nervensystem reagiert, unter Stress greifen wir eher zur Zigarette und essen unkontrolliert, was zu Übergewicht führt.

Falscher Lebensstil  und Stress kann zu Herzerkrankungen führen
Stressbewältigung durch Entspannungsübungen oder Yoga empfielt J.C. Rüegg in seinem Buch: „Die Herz-Hirn-Connection“, in denen er den Einfluss von Stress, Persönlichkeitsprofil und falschem Lebensstil auf Herzerkrankungen beleuchtet

In den 50er Jahren postulierten die Pioniere der psychosomatischen Medizin, unter ihnen auch Viktor von Weizsäcker, dass sich Konflikte, Stress und Nöte in einer Art „Organsprache“ auf den Körper auswirken. In seinem neuesten Buch[1] erklärt Professor Johann Caspar Rüegg die letzten Erkenntnisse der Psychokardiologie und sagt, dass man sogar an einem gebrochenen Herzen erkranken kann. Natürlich nur im übertragenen Sinn. Hinter dem Broken-Heart-Syndrom stecken Attacken des Nervensystems auf das Herz.Stress, Kummer und Trauer können den Sympathikus überaktivieren, sodass eine Kaskade von Adrenalin und Noradrenalin das Herz überflutet, an der Herzspitze, wo die Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin befinden, entsteht eine ballonartige Auswölbung – Herzschwäche, Blutdruckabfall und Brustschmerzen können die Folge sein. Im EKG gleichen diese Symptome denen eines akuten Herzinfarktes, weshalb der Patient auch wie ein akuter Herzinfarkt versorgt wird. Allerdings sind die Herzkrankgefäße offen und der Herzmuskel gut versorgt.

Prävention hilft, belastende Gewohnheiten abzulegen

Gegen genetische Vorbelastungen kann man noch wenig machen, heute sollte aber jeder die Risiken eines ungesunden Lebensstils kennen: Zu wenig Bewegung, falsche Ernährung und Nikotingenuss. Aber weshalb leben so viele Menschen in unserer Gesellschaft einen riskanten Lebensstil? Offenbar ist es schwieriger, seinen Lebensstil anzupassen oder alte Gewohnheiten aufzugeben als gedacht. Prävention ist ein wichtiger Leitfaden, der von den Kassen unterstützt wird. Angefangen bei Selbsthilfegruppen, in denen Gleichgesinnte eine Orientierungshilfe geben können bis hin zu  Gruppen, in denen Stressmanagement eingeübt wird.

Wer in der Lage ist, seine Gedanken und Gefühle zu kontrollieren, hat Chancen, das Infarktrisiko zu minimieren. Rüegg schreibt, dass mit Yoga, Meditation oder Entspannungsübungen das Risiko und das Wohlbefinden gesenkt werden kann.

Negative Charaktereigenschaften können Infarkt auslösen

Immer häufiger werden von Psychologen Charakter- und Persönlichkeitseigenschaften verdächtigt, koronare Herzerkrankungen auszulösen. Manche Personen reagieren auf Herzerkrankungen mit Wut und Feindseligkeit. Dieser Persönlichkeitstyp, der auf Stress mit Aggressionen reagiert wird heute kontrovers diskutiert. Der Verdacht: Aggression und noch mehr hilfloser Ärger lassen das Infarktrisiko ansteigen. Psychologen nennen diese Menschen Persönlichkeitstyp A.

Schon in den 90er Jahren zeigte sich bei Studien, dass ein anderer Typ, genannt Persönlichkeitstyp D, mit großem Infarktrisiko lebt. Das sind Menschen, die ständig gestresst und verärgert sind und deshalb unter negativen Gefühlen leiden, über die sie nicht reden können und die auf Dauer destruktiv wirken. Durch Meditation können diese Verhaltensmuster möglicherweise wegtrainiert werden. Auch Sport und Bewegung hilft, Körper und Geist wieder in Balance zu bringen.

Um Herzerkrankungen vorzubeugen, empfiehlt Rüegg: „Wenig Stress, nicht rauchen, wenig Alkohol und natürlich mediterrane Kost: wenig Fleisch, tierisches Fett und Cholesterin, dafür viel Obst und Gemüse und reichlich Bewegung – mindestens eine halbe Stunde pro Tag. Und wie gesagt: ein gesundes Stressmanagement.“[2] Sicher weiß das heute jeder Herzpatient. Wer aber mehr über die Verbindung Kopf und Herz wissen will, sollte das Buch lesen.

[1] Rüegg, Johann Caspar: Die Herz-Hirn-Connection, Wie Emomotionen, Denken und Stress unser Herz beeinflussen, Verlag Schattenauer, Stuttgart 2012

[2] Wolf, C.C. in Gehirn und Geist, Ratgeber 3/2016, S.38

Psychologische Beratungsstelle Lotse München in Riem

Ehrenamtliche Beratung für Bürger in Not

Die Psychologische Beratungsstelle Lotse München geht noch stärker an die Öffentlichkeit. Die anonyme Beratung soll Bürgern in Not eine erste Anlaufstelle bieten.

Im letzten Jahr gründete ich mit meinem Kollegen Brian Haydn die Beratungsstelle in der Messestadt Riem (Oslostraße 10), weil wir in unserer praktischen Arbeit festgestellt hatten, dass sich viele Menschen scheuen Hilfe zu suchen, weil sie nicht als psychisch krank abgestempelt werden wollen. Also tilgten wir in unserem Angebot alles, was irgendwie an Psychiatrie oder Krankeit erinnerte. Wir waren überrascht, denn aus der ganzen Stadt kamen Leute, die ihre Probleme schilderten – nur nicht aus der Messestadt. Vielleicht hat es sich dort noch nicht rumgesprochen. Auf der neuen Homepage der Psychologischen Beratungsstelle Lotse in München ist zu finden, für wen das Angebot geeignet ist.

Die Beratungsstelle öffnet jeden dritten Mittwoch im Monat von 16.00 bis 20.00 Uhr. Genaue Termine werden in der regionalen Presse veröffentlicht.

 

Ist Zeitwahrnehmung eine Illusion?

Der Takt unseres Gehirns stimmt nicht immer mit dem Takt der Zeit überein

Eines der großen Geheimnisse unserer Wahrnehmung ist die Zeit, besonders im Alter. Die Zeit schneller zu vergehen, doch wir haben keine Erklärung dafür.

Ist die Zeitwahrnehmung eine Illusion? Unser Gehirn kann nur neue Erfahrungen neu vernetzen
Vielen älteren Menschen erscheint es so, als würde die Zeit schneller vergehen. Aber ds ist eine Wahrnehmungstäuschung.

In meiner Praxis arbeite ich häufig mit älteren Menschen. Die meisten wundern sich, dass die Uhr im Alter schneller tickt, und niemand kann etwas dagegen tun. Ich frage mich: Ist es eine trügerische Wahrnehmung oder gibt es neurologische Erklärungen dafür.

Kurze Zeitspannen vergehen langsam

Schon 2005 beschäftigten sich die Psychologen Sandra Lehnhoff und Marc Wittmann von der Ludwig-Maximilian Universität in München mit diesem Phänomen. Sie befragten in ihrer Studie „Die Wahrnehmung der Zeit und ihre Wirkung auf das Alter“ 500 Teilnehmer im Alter von 14 bis 94 Jahre, wie schnell subjektiv die Zeit vergehe. Für kürzere Zeiträume von einer Woche bis zu einem Jahr antworteten Alt wie Jung mit „sehr langsam“.

Sollten die Teilnehmer aber auf ihr Leben zurückblicken, verlief das Leben bei über 40 jährigen immer schneller. Wir erleben die Zeit offenbar sehr unterschiedlich und manchmal auch paradox. Bei einer interessanten Tätigkeit vergeht die Zeit wie im Flug, später erinnern wir uns aber im Detail daran, während in Phasen der Langeweile die Zeit nicht vergehen will, in der Erinnerung die Zeit aber wie im Fluge verging.

Die Anzahl der Ereignisse bestimmt unser Zeitgefühl

Neurologen sagen: Sollen wir beurteilen, wie schnell die Zeit vergeht, beurteilen wir das anhand der Anzahl der Ereignisse, an die wir uns erinnern bzw. wie viele neue Ereignisse wir abgespeichert haben. In der Kindheit und Jugend machen wir die meisten neuen Erfahrungen. Je älter wir werden, desto mehr Routine tritt auf die Ereignisse werden nicht neu abgespeichert, sondern im schon vorhandenen Erfahrungsspeicher gebunkert. Im autobiografischen Gedächtnis entsteht allerdings eine Zeitlücke, die wir nicht verorten können. Die Ereignisse werden jenen Neuronen zugeordnet, die ein ähnliches Ereignis vielleicht schon in der Jugend abgespeichert haben.

Neue Erfahrungen verkürzen das Zeitgefühl

Weil wir bereits bekannte Erfahrungen nicht wieder neu abspeichern, sondern auf alte „Erinnerungen“ zurückgreifen, nehmen wir die Zeit, in der wir viel gelernt haben, als dicht und mit Ereignissen vollgestopft vor. Wer im Alter lernt und neue Erfahrungen macht, wird das Gefühl haben, dass die Zeit in dieser Phase wieder langsam vergeht. Haben wir uns als Kinder also gelangweilt, weil die Zeit nicht verging, langweilt sich jetzt unser Gehirn, weil es keine neuen Eindrücke und Lerninhalte bekommt.

Helmut Bundschuh

Ist die Ausbildung von Psychotherapeuten zu sehr auf fachliches Wissen reduziert?

Empathie Fähigkeitkeit des Therapeuten ist wichtig

Die Universitätsausbildung von Psychotherapeuten ist möglicherweise zu sehr auf fachliche Methodik ausgelegt, darauf weisen Forscher der Harvard Medical School in einer Untersuchung unter Studenten hin.

Im Kosovokrieg stellte sich heraus, dass es traumatisierten Menschen hilft, wenn sie über das Erlebte sprechen können
Zuhören hilft. Selbst wenn therapeutisch nicht ausgebildete Personen zuhören, kann das bei Klienten therapeutische Wirkung haben

Die Universitäten versuchen, ihren Studenten eine bestmögliche fachliche Ausbildung zu ermöglichen, damit sie als Therapeuten einen gefüllten Handwerkskoffer zur Verfügung haben. Amerikanische Psychologen von der Ohio University in Athens und der Harvard Medical School in Boston beklagen jetzt, dass das Studium zu sehr auf die fachliche Ausbildung ausgerichtet ist und die sozialen und Beziehungskompetenzen der Studenten vernachlässigt werden.

Das Gespräch als erste Krisenintervention

Schon Hilarion Petzold beobachtete während seines Einsatzes als Krisentherapeut während des Kosovokrieges, dass schon ein einfühlsames Gespräch mit traumatisierten Opfern Linderung verschaffte. Einfühlsames Zuhören und empathische Zuwendung auch von nicht psychotherapeutisch ausgebildeten Helfern war zur ersten Krisenintervention geeignet. Psychologen in an der Harvard Medical School fragten sich nun, ob die Fähigkeit zwischenmenschliche Beziehungen und Vertrauen aufzubauen mindestens genauso wichtig ist wie vollgepackter Methodenkoffer. Welchen Stellenwert hat eine berufliche Qualifikation in der Therapie, wenn der Therapeut nicht Empathie fähig ist?

Fachfremde Therapeuten erfolgreicher als Psychologiestudenten

Dafür suchten die Forscher von 2713 Bachelorstudenten 65 aus, die als Klienten geeignet waren. Sie litten an unterschiedlichen Formen von Ängsten, Depressionen und Anpassungsstörungen. 23 ausgewählte Doktorandinnen und Doktoranden durften nun Therapeut spielen.

Aber nur ein Teil der „Therapeuten“ studierte Psychologie, ein anderer Teil promovierte in naturwissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Fakultäten, war also fachfremd. Die Studenten wurden auf ihre Sprachfertigkeit und ihr Kommunikationsverhalten untersucht und durften dann je sieben Sitzungen mit ihren „Klienten“ durchführen. Die Forscher beobachteten die Sitzungen und protokollierten am Schluss der Sitzung, wie schwer die Klienten ihre eigene Erkrankung einschätzten.

Empathie genauso wichtig wie Fachwissen

Die Studie kam zu einem erstaunlichen Fazit: Zwar berichteten alle Klienten, dass es ihnen nach den sieben Sitzungen besser ging als davor. Am besten schnitten aber jene Doktoranden ab, die über große soziale und zwischenmenschliche Kompetenzen verfügten, und sich in ihre Klienten einfühlen konnten. Und die meisten von ihnen waren gar keine Psychologiestudenten. Die Klienten fühlten sich bei empathischen „Therapeuten“ weniger gestresst als bei „Therapeuten“, die zwar über ein besseres Fachwissen verfügten, sich aber nicht einfühlen konnten. Fachwissen schien also weniger wichtig zu sein als Einfühlungsvermögen.

Fazit: Die Forscher der Ohio University und der Harvard Medical School beklagen, dass die Therapeutenausbildung zu sehr auf Fachwissen aufgebaut. „Die Befunde stützen die Hypothese, dass die allgemeinen Beziehungsfähigkeiten der Therapeuten einen unabhängigen Beitrag zur therapeutischen Beziehung und dem Therapieergebnis leisten“.

Helmut Bundschuh

Erzählen Sie Ihre Geschichte

Wie bewältigen Sie Ihre Krankheit?

Für die Münchner Selbsthilfegruppe „Herzkrank – ohne Ängste und Sorgen“ entsteht ein neuer Blog, in dem herzkranke Menschen erzählen, wie sie ihre Erkrankung bewältigen.

Eine ältere Frau schreibt Tagebuch und stellt fest, wie sich Erinnerungen verändern
Haben Sie eine Idee, woher Ihre Herzerkrankung kommen könnte? Auf unserem Blog können Sie berichten, wie Sie Ihre Krankheit in den Griff bekommen haben und Anderen einen Tipp geben

„Bitte melden Sie sich“, so heißt der Aufruf der Selbsthilfegruppe „Herzkrank – ohne Ängste und Sorgen“. Herzkranke sollen ihre Krankheitsgeschichte erzählen, wir veröffentlichen sie in unserem neuen Internet-Blog. Manche können berichten, dass es schon früher Anzeichen dafür gab, die man aber nicht beachtete. Oder hat vielleicht der frühere Lebensstil dafür gesorgt, dass das Herz nicht mehr mitmachte?

Erzählen Sie, welche Ängste Sie geplagt haben und wie Sie die Ängste und Sorgen bewältigt haben. Uns interessiert, welche Strategien Sie zur Bewältigung Ihrer Krankheit entwickelt haben. Vielleicht können Sie Anderen damit helfen! Denn es gibt viele Herzpatienten, bei denen sich anfängliche Sorgen zu seelischen Belastungen entwickelt haben. Dem kann man entgegenwirken.

Wir schreiben Ihre Geschichte auf und veröffentlichen sie in unserem neuen Internet-Blog. Rufen Sie uns an unter der Telefonnummer 089/20 331 226 oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

Helmut Bundschuh